Overview

Im Jahr 2015 betrug der Endenergieverbrauch in Österreich 27,3 t ROE  - das bedeutet eine Steigerung von 14% gegenüber 2000. Hauptsächlich maßgeblich für den Anstieg sind die Sektoren Verkehr (+29%) und Industrie (+21%). Auch im Landwirtschaftssektor (+4%) und im Dienstleistungssektor (+2%) stieg der Endverbrauch, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Der Endverbrauch des Haushaltssektors (bereinigt um klimatische Faktoren) wies im Jahr 2015 einen um 3% geringeren Verbrauch als im Jahr 2000 auf. Im Jahr 2015 war der Verkehrssektor mit 33% der größte Verbrauchssektor, gefolgt von Industrie (30%), Haushalten (24%), Dienstleistungen (11%) und Landwirtschaft (2%).

Abbildung 1: Endenergieverbrauch nach Sektoren (klimabereinigt)

Source: ODYSSEE

Der ODYSSEE Energieeffizienzindex für die Endverbraucher (so genannter technischer ODEX) verbesserte sich für Österreich zwischen 2000 und 2015 um 18% und entspricht damit dem Trend der Europäischen Union. Der durchschnittliche Effizienzgewinn in diesem Zeitraum lag bei 1,3% pro Jahr. Die größten Zuwächse der Effizienz wurden im Haushaltssektor erzielt, in dem die Effizienz um 31% stieg - gegenüber 27% in der Europäischen Union. Die geringsten Verbesserungen wurden für Österreich im Sektor Verkehr verzeichnet, in dem die Energieeffizienz um 10% anstieg - um 3% geringer als in der EU. Die Effizienz der Industrie verbesserte sich in Österreich um 15%, das sind um 5% weniger im Vergleich zur EU.

Abbildung 2: Energieeffizienzindex nach Sektoren (technischer ODEX; 2000=100)

Source: ODYSSEE

In Österreich wird die europäische Energieeffizienzrichtlinie (EED) durch das Bundes-Energieeffizienzgesetz (EEffG) umgesetzt. Im Rahmen dieses Gesetzes erhöht Österreich seine Energieeffizienzanstrengungen mit dem Ziel, bis 2020 einen Endenergieverbrauch von 1050 PJ zu erreichen. Darüber hinaus müssen bis 2020 kumulative Energieeinsparungen von 310 PJ erreicht werden, die im Ausmaß von 159 PJ (kumuliert) durch Beiträge der Energielieferanten (ab einem Energieabsatz an Endverbraucher von mindestens 25 GWh) sowie im Ausmaß von 151 PJ (kumuliert) durch sogenannte strategische Maßnahmen (Maßnahmen der öffentlichen Hand), erreicht werden sollen. Zu den strategischen Maßnahmen gehören Energiesteuern, betriebliche Umweltschutzsubventionen, Sanierungsmaßnahmen/Gutscheine, sowie Wohnraum- und Energiesubventionen. Mit dem Energieeffizienzgesetz wurden unter anderem die Verpflichtung zur Setzung von Energieeffizienzmaßnahmen  für Energielieferanten, die Verpflichtung zur Setzung regelmäßiger Energieaudits oder in Kombination zur Einführung energierelevanter Managementsysteme für große Unternehmen, und die Sanierung von Bundesgebäuden eingeführt. 2014 und 2015 meldete Österreich im Rahmen der Berichtsverfahren der EU kumulierte Gesamtenergieeffizienzmaßnahmen von 167 PJ. Österreich hat in seinen Berichten festgehalten, dass bis 2020 Energieeffizienzmaßnahmen bis zu 218 PJ erreicht werden. Zum jetzigen Zeitpunkt scheinen diese Einsparungen machbar zu sein.

Tabelle 1: Beispiele für sektorübergreifende Programme

MeasuresNEEAP measuresDescriptionExpected savings, impact evaluationMore information available
Nachweispflicht von Energieeffizienzmaßnahmen für EnergieversorgeryesJeder Energieversorger in Österreich muss, sofern er im Vorjahr die Mindestabsatzgrenze von 25 GWh überschritten hat, Energieeffizienzmaßnahmen nachweisen, die 0,6% seines bisherigen Energieabsatzes an Endkunden entsprechen. Die Maßnahmen müssen vom Energieversorger selbst, seinen eigenen Kunden oder anderen Endverbrauchern durchgeführt werden.Die Endenergieeinsparungen beliefen sich im Jahr 2015 auf 7 PJ. Der kumulierte Beitrag zwischen 2014 und 2020 soll 59.752 PJ erreichen.Link
klimaaktiv - die österreichische Klimaschutzinitiativeyesklimaaktiv ist die österreichische Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus, eingebettet in die österreichische Klimastrategie des Bundes. Damit ist klimaaktiv auf Bundesebene eines der wichtigsten Informations- und Bewusstseinsbildungsprogramme.Hohe WirksamkeitLink
Source: MURE

Buildings

Der Flächenverbrauch für Raumwärme pro m2 (bereinigt von klimatischen Effekten) ist in Österreich seit 2000 um 28% gesunken und betrug im Jahr 2015 12 kg RÖE/m2. Hauptmaßgeblich dafür war bessere Wärmedämmung, dieser Effekt wird jedoch durch eine höhere Anzahl an Wohnungen, größere Wohnflächen und höhere Raumtemperaturen abgeschwächt. Die Effizienzfortschritte wurden vor allem im Zeitraum 2000 bis 2006 verzeichnet, während der Energieverbrauch in den Folgejahren mehr oder weniger konstant war. Im Vergleich zur EU insgesamt lag der Energieverbrauch für Raumwärme pro m2 in Österreich im Jahr 2015 um 22% höher.

Der Energieverbrauch von Elektrogeräten stieg seit 2000 um 11% und betrug im Jahr 2015 0,26 t RÖE/Wohnung. Dabei weist die wachsende Anzahl an Haushaltsgroßgeräten einen deutlich höheren Einfluss auf als die steigende Energieeffizenz der Geräte. Der Verbrauch für die Warmwassererzeugung (0,21 t RÖE/Wohnung im Jahr 2015) sank um 15% und der Verbrauch für Kochen um 35%, beides auf einem niedrigeren Niveau (0,03 tRÖE/Wohnung). Der Energieverbrauch für Raumkühlung ist in Österreich im Vergleich zu anderen Anwendungenimmer noch sehr gering (0,002 t RÖE/Wohnung), stieg aber seit 2000 um 280%.

Abbildung 3: Energieverbrauch für Raumwärme pro m²

Source: ODYSSEE

Abbildung 4: Endenergieverbrauch nach Anwendungen in Haushalten

Source: ODYSSEE

Der Energieverbrauch der Haushalte lag im Jahr 2015 bei 6,1 Mio. tRÖE, was einem leichten Rückgang (-1,5%) gegenüber dem Jahr 2000 entspricht. Haupttreiber sind Energieeinsparungen (durch verbesserte Wärmedämmungsstandards und Heizsysteme), durch die der Gesamtverbrauch um 40% reduziert wird. Dieser Rückgang wird jedoch durch eine steigende Anzahl von bewohnten Wohnungen, mehr elektrische Geräte und größere Wohnflächen kompensiert.

Abbildung 5: Dekomposition der Änderung des Energieverbrauchs der Haushalte nach Haupttreibern

Source: ODYSSEE

Der Energie- als auch der Stromverbrauch pro Mitarbeiter/in (bereinigt von klimatischen Einflüssen) ist seit 2000 kontinuierlich gesunken (insgesamt -1,2%/Jahr, Strom -1%/Jahr).

Abbildung 6: Gesamtenergie- und Stromverbrauch pro Mitarbeiter/in (klimabereinigt)

Source: ODYSSEE

Ein 2009 erstmals durchgeführtes und immer noch bestehendes Gebäudesanierungsprogramm zielt auf die thermische Sanierung von Wohn- und Nicht-wohngebäuden ab, die vor mehr als 20 Jahren errichtet wurden. Für Maßnahmen wie Wärmedämmung, Sanierung oder Austausch von Fenstern und Außentüren sowie die Erneuerung von Heizungsanlagen werden Fördermittel zur Verfügung gestellt. Maximal 30% der Investitionskosten können durch die Förderung gedeckt werden, wobei für jede Maßnahme eine Obergrenze festgelegt wird. In den österreichischen Bundesländern werden die Verbesserung der thermischen Qualität von Wohngebäuden und der Ausbau effizienter Heizsysteme durch die für die Wohnbauförderung vorgesehenen Mittel unterstützt. Die Höhe der Förderung ist abhängig von der erreichten thermischen Qualität und dem Wirkungsgrad der Heizungsanlage. Neben den Kriterien betreffend Endenergieverbrauch unterliegen die Subventionen für den Neubau erhöhten Anforderungen an Primärenergiebedarf und CO2-Emissionen. Die Art der Förderung unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland und wird in Form von Darlehen, Zuschüssen und/oder Subventionen gewährt. Die Sanierungsoffensive der österreichischen Regierung (Sanierungsscheck) ist das wichtigste Anreizsystem für Haushalte und Unternehmen zur Senkung des Energieverbrauchs. Die Förderung wird in Form eines einmaligen und nicht rückzahlbaren Zuschuss gewährt.

Tabelle 2: Beispiele für Maßnahmen und Programme im Gebäudesektor

MeasuresDescriptionExpected savings, impact evaluationMore information available
Thermische Mindeststandards für GebäudeDas Bundesbaurecht bzw. die Bauordnungen der Bundesländer beinhalten verbindliche Qualitätskriterien für Gebäude.Gemäß NEEAP 2014 werden zwischen 2014 und 2020 jährliche Einsparungen von 175 TJ erwartet.Link
WohnbauförderungPrivate Haushalte erhalten Zuschüsse für die Dämmung von Außenwänden, der Geschoßdecke, den Austausch von Fenstern und Türen und die Umstellung einer konventionellen Heizungsanlage auf erneuerbare Heizsysteme. Die Endenergieeinsparung betrug 1,9 PJ im Jahr 2014 und 1,76 PJ im Jahr 2015. Der kumulative Beitrag spll zwischen 2014 und 2020 24 PJ betragen.Link
Source: MURE

Transport

Sämtliche Verkehrsmittel zeigen seit dem Jahr 2000 einen Aufwärtstrend beim Energieverbrauch. Der Straßenverkehr besitzt mit 85% des Verbrauchs im Sektor Verkehr den höchsten Anteil im Jahr 2015. Auf Pkw und Lkw entfallen 57% bzw. 24%, auf den Luftverkehr 11% und auf die Schiene nur 3 % des Gesamtverbrauchs.

Abbildung 7: Energieverbrauch nach Verkehrsmitteln

Source: ODYSSEE

Pkw hatten im Jahr 2015 mit 75% den mit Abstand höchsten Antel am Personenverkehr (gemessen in Personenkilometern) (-1 % gegenüber 2000). Der Anteil des Schienenverkehrs lag bei 16% (+12%), während der Busverkehr einen Anteil von 10% (-10%) aufweist.

Abbildung 8: Anteile der Verkehrsmittel am Energieverbrauch des Personenverkehrs

Source: ODYSSEE

Beim Güterverkehr (gemessen in Tonnenkilometern) weist die Straße mit 70% den höchsten Anteil im Jahr 2015 auf, gefolgt vom Schienenverkehr mit 28% und dem Schiffsverkehr (hauptsächlich auf der Donau) mit lediglich 2,5%. Im Vergleich zum Jahr 2000 verzeichneten Straße und Schiene einen ähnlichen Anstieg (+2%), während die Schifffahrt einen Rückgang um 43% verzeichnete.

Abbildung 9: Anteile der Verkehrsmittel am Energieverbrauch des Güterverkehrs

Source: ODYSSEE

Der Gesamtenergieverbrauch im Verkehrsbereich lag im Jahr 2015 bei 8,4 Mio. t RÖE und damit um 32 % höher als im Jahr 2000. Abbildung 10 zeigt eine Dekompositionsanalyse  für den gesamten Verkehrssektor. Der größte Teil der Entwicklung zwischen 2000 und 2015 lässt sich durch die Zunahme des Personenverkehrs einschließlich des Luft- und Güterverkehrs erklären (Aktivitätseffekt), gefolgt von "sonstigen Effekten", d.h. Verhaltenseffekten und "negativen Einsparungen" im Güterverkehr aufgrund geringer Kapazitätsauslastung sowie technischer Energieeinsparungen (d.h. Änderung der Effizienz von Pkw, Lkw, Flugzeugen usw.). Die Verkehrsverlagerung im Landverkehr, d.h. die Veränderung des Anteils der einzelnen Verkehrsträger, hatte fast keinen Einfluss auf die Entwicklung.

Abbildung 10: Dekomposition der Änderung des Energieverbrauchs im Verkehr nach Haupttreibern

Source: ODYSSEE

Im 2012 veröffentlichte Generalverkehrsplan für Österreich sind die Ziele und Strategien der österreichischen Verkehrspolitik bis 2025 definiert. Ziel ist die Schaffung eines sozialeren, sichereren, umweltfreundlicheren und effizienteren Verkehrssystems durch die Umsetzung von Maßnahmen in den Bereichen moderne Infrastruktur, öffentlicher Verkehr, Sicherheit, Planung und Integration, Technologien und Innovation, Beseitigung von Hindernissen, Umweltschutz und Ressourceneffizienz sowie internationale Integration. Der Plan sieht vor, die CO2-Emissionen in diesem Sektor bis 2025 gegenüber 2010 um 19% zu reduzieren. Der Energieverbrauch im Verkehrssektor soll von 240 PJ auf 210 PJ im Jahr 2025 gesenkt werden.

Tabelle 3: Beispiel für Maßnahmen im Verkehrssektor

MeasuresDescriptionExpected savings, impact evaluationMore information available
Normverbrauchsabgabe (NoVA)Abgabe auf den Normverbrauch von Fahrzeugen, berechnet auf Basis der CO2-Emissionen.Reduktionspotenzial von 0,35 Mio. t CO2/aLink
Mobilitätsmanagement-Beratung und Förderprogramme - klimaaktiv mobilAktionsprogramm für Mobilitätsmanagement, das sich unter anderem an Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, Städte, Gemeinden und Regionen, Schulen und Tourismusunternehmen richtet.Jährliche Gesamteinsparungen: 640.000 Tonnen CO2Link
Source: MURE

Industry

Der Energieverbrauch des Sektors Industrie betrug im Jahr 2015 in Österreich 8,1 Mio. t RÖE, das bedeutet einen Anstieg von 21% gegenüber 2000 (6,7 Mio. t RÖE). Fast 40% des Energieverbrauchs des produzierenden Gewerbes in Österreich entfallen auf zwei Branchen: Papier- und Stahlindustrie. Mit einem Anteil von 20% verzeichnete die Papierindustrie im Jahr 2015 den höchsten Anteil am Industrieverbrauch, gefolgt von der Stahlindustrie (18%). Im Vergleich zum Jahr 2000 stieg der Anteil des Papiers um 12%, während der Anteil des Stahls um 10% zurückging. Unter den in Abbildung 11 dargestellten Branchen verzeichnet die Nichteisenverarbeitende industrie den höchsten Anstieg (+59%).

Abbildung 11: Endenergieverbrauch nach Branchen in der Industrie

Source: ODYSSEE

Abbildung 12 zeigt den Index des Energieaufwands energieintensiver Produkte (gemessen in tRÖE/t) für die beiden maßgeblichen Branchen Papier- und Stahlindustrie. Beide Indikatoren zeigen im Berichtszeitraum Schwankungen, wobei die Papierindustrie im Jahr 2015 einen ähnlichen Wert verzeichnete wie im Jahr 2000 (-1,4%).  Der Energieverbrauch pro Tonne Stahl war im Jahr 2015 hingegen um 32,2 % niedriger als im Jahr 2000. In diesem Sektor wurden die deutlichsten Effizienzsteigerungen in den letzten Jahren (seit 2012) verzeichnet.

Abbildung 12: Spezifischer Verbrauch energie-intensiver Produkte (2000=100)

Source: ODYSSEE

Die Entwicklung des Energieverbrauchs des Sektors Industrie im Zeitraum 2000 bis 2015 kann hauptsächlich durch Veränderungen in der industriellen Aktivität (gemessen an der Wertschöpfung) erklärt werden, während es nur wenige strukturelle Veränderungen gibt, d.h. die Tatsache, dass einzelne Branchen mit unterschiedlichen Energieintensitäten nicht in gleichem Maße wachsen. Auch die Energieeinsparungen (berechnet aus den Veränderungen des Energieverbrauchs pro Produktionseinheit auf Branchenebene) sind signifikant, gefolgt von 'sonstigen Effekten' (hauptsächlich "negative" Einsparungen aufgrund ineffizienter Abläufe in der Industrie).

Abbildung 13: Dekomposition der Änderung des Energieverbrauchs in der Industrie nach Haupttreibern

Source: ODYSSEE

Das Programm Umweltförderung im Inland (UFI) stellt eine der wichtigsten Förderungen für Unternehmen mit den Schwerpunkten Klimaschutz, Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Luftreinhaltung dar. Bestimmte Verpflichtungen von energieverbrauchenden Unternehmen zur Durchführung eines externen Energieaudits oder zur Einführung eines (Energie-)Managementsystems richten sich nach der Größe des jeweiligen Unternehmens. Große Energieversorger sind verpflichtet, spezifische Energieeffizienzmaßnahmen für Endkunden festzulegen.

Table 4: Policies and measures into force in industry

MeasuresDescriptionExpected savings, impact evaluationMore information available
Nationale Umweltförderung im Inland (UFI) und regionale ProgrammeFörderprogramm für Unternehmen mit den Schwerpunkten Klimaschutz, Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Luftreinhaltung .Die Endenergieeinsparungen beliefen sich 2014 auf 1.431 PJ und 2015 auf 2.521 PJ. Der kumulative Beitrag zwischen 2014 und 2020 soll 25PJ betragen.Link
Source: MURE